DAZ vom 16.03.2010

Waldheimer Kuriositätenkabinett

Foto: Dirk Wurzel

In der „grünen Ecke“ des Waldheimer Museums haben Falk Hartig (von links), Franziska Buschbeck und Hans-Peter Zacharias die Sonderausstellung „Kurioses aus dem Fundus“ aufgebaut.


Waldheim. Was sich in einem Museumsfundus so alles ansammelt: rote Sowjetsterne, alte Straßenschilder, Haartrockner aus den 30er Jahren und, und, und.
„In unserem Magazin lagern 6000 Exponate, die überwiegend die Heimatfreunde zusammengetragen haben“, sagt Falk Hartig, Leiter des Waldheimer Kulturzentrums an der Gartenstraße. Die kuriosesten Exponate zeigt das Museum im Kulturzentrum seit Sonnabend noch bis zum 16. Mai. In der „grünen Ecke“ ist diese Sonderschau jetzt eingerichtet. „Der Sowjetstern thronte 1945 auf dem Waldheimer Rathaus“, sagt Falk Hartig. In der Sonderausstellung finden die Besucher zeitgenössische Exponate aus den unterschiedlichen Abschnitten der Waldheimer Geschichte. Aus einem antiken Zinkzuber ragen alte Straßenschilder, die Franziska Buschbeck nur mit Handschuhen anfasst. Die Diplomandin der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kunst hat die Ausstellung federführend mitorganisiert. Es gehört zum Konzept, dass der Staub der Zeit auf einigen Ausstellungsstücken verblieben ist. „Ziel ist es, die kleinen und großen Schätzchen aus ihrem Dornröschenschlaf im Magazin zu holen und zu zeigen, wie vielfältig der Sammlungsbestand ist“, sagt Falk Hartig.
Jedenfalls birgt der Schilder-Kübel Wegebezeichnungen mit oder ohne politische Konnotation: Die „Hohe Straße“ ist als Straßenname gewiss unverfänglicher als Otto-Nuschke-Straße, benannt nach jenem Vorsitzenden der DDR-CDU, der sich in der späten SBZ-Zeit besser in den Parteienblock unter der SED-Führung einordnete, als seine Vorgänger.
Aber auch der Haartrockner zeugt davon, dass die Hersteller solcher Geräte bereits damals an Effizienz dachten: Stabförmige Düsen umgreifen den Kopf, es ist fast zu kurios, um es zu beschreiben. Aber diese Exponate bescherten dem Museum am Sonnabend einen Besucherstrom, der sogar Menschen in das Haus an der Gartenstraße spülte, die hier noch nie zuvor gewesen waren. „Sehr interessant“, bilanzierte der Waldheimer Steffen Kaden seinen Ausstellungsbesuch, der zugleich sein erster Besuch des Museums war.
Dirk Wurzel